Ratinger Bienenzuchtverein

von 1868 e. V.

Kommunikation im Bienenstock

Um einen Organismus wie ein Bienenvolk am Leben zu halten, bedarf es also einer Menge lebenswichtiger Dinge: Nahrung muß herbeigeschafft, gelagert und verfüttert werden, die Brut muß versorgt und die Königin umhegt werden, ein Wachdienst ist vonnöten, Gesundheitsvorsorge muß getroffen werden. Über diese Aufgaben müssen sich die Bienen verständigen, es muß also eine Kommunikation stattfinden, an der alle Bewohner des Stocks teilhaben können. Dazu muß man sich klarmachen, daß es auf den Waben stockfinster ist. Und wenn man sich vorstellt, daß einem einzigen Volk insgesamt fünf Quadratmeter Wabenfläche zur Verfügung stehen, wird klar, daß es auch mit bloßem "Zurufen" nicht getan ist. Die Bienen haben aber in der Tat ein perfektes System der Kommunikation gefunden, an dem alle Sinne, der gesamte Bienenkörper, ja sogar die Architektur des Bienenstocks beteiligt sind.

Der Bienentanz

Durch ihren Tanz teilt die heimkommende Sammelbiene ihren Genossinnen im Stock mit, wo der Tisch reich mit Pollen und Nektar gedeckt ist. Dabei gibt es zwei verschiedene Tanzformen:

Entfernungs- und Richtungsweisung bei der Honigbiene Entfernungs- und Richtungsweisung bei der Honigbiene Entweder die Biene läuft im Kreis oder sie tanzt eine Art gestauchter Acht, auf deren diagonaler Mittellinie sie mit ihrem Hinterleib hin- und herschwänzelt. Mit dem zuerst genannten Rundtanz teilt den Kolleginnen mit: Im Umkreis von 500 Metern gibt es was zu holen. Fliegt also raus und seht Euch selbst um! Welche Art von Blüten zu erwarten sind,das erfährt das Publikum durch die duftenden Pollen, die im Pelz der Sammlerin hängen, und von denen jeder eine kleine Kostprobe bekommt.
 

Wo geht's lang?

Ist die Futterquelle weiter vom Stock entfernt als 500 Meter, dann muß sich die Kundschafterin schon ein bißchen mehr anstrengen, um den Folgebienen den rechten Weg zu weisen - sie beginnt also zu schwänzeln und beschreibt damit die Flugrichtung auf die Sonne zu. Schwänzelt sie auf der Wabe beispielsweise geradewegs senkrecht nach oben, heißt das: Flieg in Richtung Sonne, da stößt Du auf die Blüten! Schwänzelt Sie auf der Wabe waagerecht von links nach rechts, müssen die Folgebienen die Sonne exakt links liegen lassen. Je schneller und engagierter getanzt wird, um so näher steht der "Vorratstopf". Beim Tanzen halten die "Zuschauerinnen" möglichst engen Körperkontakt und prägen sich so - mangels optischer Eindrücke - die Tanzrichtung genau ein. Außerdem richten sie sich nach den Geräuschen, die die Tänzerin durch heftiges Flügelschlagen und durch das Gehopse beim Schwänzeln erzeugt und nach den Luftströmungen, die sie dabei verursacht.

Der Tanzboden

Im jedem Bienenstock gibt es einen festen, etwa 100 cm³; großen Tanzboden in der Nähe des Eingangs. Er besteht aus völlig leeren Zellen, damit er auch ordentlich vibrieren kann, wenn eine Tänzerin zugange ist. Diese Vibration ist nämlich ein wichtiges Kommunikationsmittel, das bis in die hintersten Wabenregionen verstanden wird. Die Tänzerin rüttelt beim Schwänzeln mit ihren Beinen kräftig an den dicken Zellenrändern, und die Vibrationen breiten sich im ganzen Stock aus. Über diese "Fernleitung" werden dann auch die Kolleginnen in der hintersten Ecke informiert. Allerdings gibt es dabei ein kleines Kommunikationshemmnis, den Imker nämlich. Er setzt Waben in den Stock, die an den Rändern fest von einem stabilen Holzrahmen umgeben sind, was die Vibration natürlich erschwert. Für die Bienen ist dies jedoch nur ein kleineres Problem. Sie nagen einfach an verschiedenen Stellen Löcher in den Wabenrand und schon schwingt es wieder.
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